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Afghanistan

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Während der Reisen durch Afghanistan in den Jahren 1967 - 78 besuchten wir stets das Nationalmuseum in Darul Aman wenige Kilometer außerhalb von Kabul. Das palastähnliche Gebäude wurde in den 30ger Jahren für die gesammelten Schätze von König Amir Amanullah Khan eingerichtet, nachdem die ersten wertvollen Sammlungen bereits 1919 in einem Bauwerk innerhalb der Palastanlage von Kabul untergebracht waren. Es war immer mit einem Glücksgefühl verbunden, die einmaligen Exponate der archäologischen Stätten des Landes am Hindukusch zu bewundern, die von den Ausgrabungen und der Geschichte von der frühesten Zeit bis in die Regierungszeit der Kushana-Herrscher erzählten, als Afghanistan im Zentrum eines Nomadenreiches lag, dessen riesiges Herrschaftsgebiet von Nordindien bis nach Zentralsien reichte. Als dann der Einmarsch der Sovjets erfolgte, war an eine Reise seit 1979 nicht mehr zu denken. Der Krieg mit dem anschließenden Talibanregime richtete größte Verwüstung an, auch das Nationalmuseum wurde nicht verschont, fast alle Schätze wurden gestohlen oder zerstört. Am 11. März 2001 ging die unfaßbare Nachricht um die Welt, daß die Buddha-Statuen in Bamiyan aus der Felswand gesprengt wurden. Große Empörung und Trauer befiel die Menschen im Land und auf der ganzen Welt. Die Buddha-Statuen bleiben für immer verloren, auch wenn inzwischen Ruhe im Tal von Bamiyan am Fuße der ehemaligen Mönchssiedlungen zurückgekehrt scheint. Das Nationalmuseum entsteht im Laufe der Jahre neu und wird dem Besucher eines Tages die unschätzbaren Kunstwerke hoffentlich recht bald wieder zeigen können.

 

 

Die Fundorte der abgebildeten "geretteten Schätze" befinden sich alle nördlich von Kabul im alten Baktrien am Hindukusch. Westlich von Baktra (Balkh) liegt der "Tillya-Tepe".

Nordöstlich von Baktra liegt, wie die ehemalige Palaststadt Balkh, die Ausgrabungsstätte "Ai Khanum" am Oxos, dem heutigen Amu Darya, nicht weit entfernt von Kunduz. Das war die östlichste Stadt aus der Zeit von Alexander dem Großen, der hier von der Verschmelzung des Okzident mit dem Orient träumte. In den Hauptstadt des griechisch-baktrischen Königreichs feierte der junge Eroberer aus Makedonien seine Hochzeit mit der schönen Roxane, der Tochter eines Adligen aus Sogdien.

Südlich davon auf dem Wege nach Kabul liegen der Tepe Fullol und die archäologische Ausgrabung von Begram.

 

Die Fundorte der geretteten Schätze aus dem Nationalmuseum Kabul liegen alle nördlich von Kabul.
Die Stadtmauern von Balkh erheben sich über den Ufern des antiken Oxus. Hier heiratete Alexander d.Gr. die hübsche Roxane (Reise 1976).
Eine Familie bringt die Braut im Festzuge in das neue Zuhause.
Die Musikanten begleiten die Hochzeitsgesellschaft in der Ebene am Oxus.
Das griechisch-baktrische Königreich zerfiel um die Zeitenwende nach den Überfällen nomadisierender Völker aus den asiatischen Steppen.
Die archäologischen Funde dieser Frühzeit waren im Nationalmuseum von Kabul untergebracht . . .
und bis zu den letzten Kriegen gut bewacht, dann aber seit 1979 dem Chaos ausgesetzt.
Auch die von Deutschland stammende kleine Eisenbahn aus der Zeit von König Amanullah fährt schon lange nicht mehr.
Zu den frühesten Exponaten zählt eine goldene Schale mit Wildschwein und Baum (Bronzezeit ca. 2000 v.Chr.) . . .
und eine Schale mit bärtigen Stieren, ebenso vom Tepe Fullol -
sowie dieser Kelch mit geometrischem Ornament.
Korinthisches Kapitell aus Ai Khanum am Oxus, Kalksteinarbeit von ca. 145 v.Chr.
Ebenso aus Kalkstein ist diese Herme vom Gymnasium in Ai Khanum, 2. Jh.v.Chr.
Aus Bronze ist diese Statuette des Herakles (18,2 cm ca. 150 v.Chr.).
Herakles
Elfenbeinplatte mit Frauen
Elfenbeinplatte
Elfenbeinplatte
Elfenbeinplatte
Elfenbeinplatte
Weibliche Statuette aus Bein (16,2 cm ca. 145 v.Chr.) in Ai Khanum gefunden
In Begram gefundene "Flußgöttin" aus dem 1. Jh. n. Chr, Elfenbein
Reiter auf einem Löwengreif, Elfenbein vom 1. Jh. n. Chr., Begram
Bemalter Becher aus Begram, 1. Jh. n.Chr.
Fischförmiger Flakon aus Begram, geblasenes farbloses Glas, 1. Jh.n.Chr.
Fischförmiger Flakon mit blauen Flossen und Augen, Begram
Dieser Krug in Form einer Kinnari ist eine Keramik mit blaugrüner Glasur
halb Frau und halb Vogel, gefunden in Begram, 1. Jh. n. Chr.

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Eines der schönsten Exponate des National-Museums in Kabul ist zur Erinnerung an meine Reisen durch Kleinasien nach Afghanistan die "Kybele-Scheibe" aus dem 3. Jh. v. Chr., die bei Ausgrabungen in der griechisch-baktrischen Stadt Ai Khanum am Oxus (Amur-Darya) gefunden wurde. Ursprünglich war diese silberne mit Gold verzierte Scheibe auf einer Holzplatte befestigt. Dargestellt ist die griechische Göttin Kybele auf dem Wagen links in Frontalansicht. Neben ihr steht eine beflügelte Siegesgöttin mit Blick nach vorn, wohin sie den Wagen  - von Löwen durch die Berge gezogen - einem Priester zulenkt, der auf dem Altar Weihrauch opfert. Ein zweiter Priester trägt hinter dem Wagen als königliches Attribut einen Sonnenschirm. Am Himmel erstrahlen die Sonne in der Gestalt des Gottes Helios, die Mondsichel und ein Stern. Diese Scheibe wurde vergraben, als die Steppen-Nomaden die griechisch-baktrische Stadt Ai Khanum eroberten. An den Oxus war sie wohl im Zuge des Vormarsches von Alexander d. Gr. gelangt. Das Motiv der Kybele stammt aus dem griechischen Mittelmeerraum, wo in Kleinasien von Phrygien aus sich der Kybele-Kult verbreitet hatte. Auch die Siegesgöttin als Wagenlenkerin ist mit ihrer Kleidung ein bekanntes Symbol des Hellenismus.

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Unsere Reisen nach Afghanistan verliefen in den Jahren 1967 - 78 auf dem Landweg von Deutschland über die Länder Österreich - Jugoslawien - Bulgarien - Türkei und den Iran, bzw. über Syrien, den Irak, durch den Südiran über Bam und Quetta in Pakistan nach Afghanistan. Wenn Indien auf dem Programm stand, legten wir laut Tachoscheibe von Deutschland bis Delhi genau 10.000 km zurück. Die Reisebilder dieser abenteuerlichen Fahrten werden immer in Erinnerung bleiben.

Auf dem Weg nach Afghanistan begegneten wir in der Osttürkei den nomadisierenden Kurden,
die im gebirgigen Grenzland zum Iran mit ihren Herden der Jahreszeit entsprechend unterwegs waren.
Auch machten wir Halt in den Dörfern der seßhaften Kurden,
von denen nur ein Teil der Familie den Herden folgte.
Vom Familienoberhaupt im Zelt erhielten wir die Erlaubnis zum Besuch seiner Familie,
um auch mit den Frauen am Webstuhl zu plaudern und die Lebensgewohnheiten kennen zu lernen.
Ziegen an der Wasserstelle, die das Material für die Zelte vor der Schur am Körper tragen . . .
und die Schafe die Milch für Butter und Käse lieferten.
Morgenlicher Aufbruch in der Wüste von Belutschistan . . .
im Süden von Afghanistan zwischen Herat und Kandahar.
Aufbruch
Die Belutschen immer unverschleiert und zugänglich für unsere Geschenke
Trennen das Getreide von der Spreu
den Faltenwurf der Zelte finden wir in der frühen Moscheebaukunst wieder
Frauen mit Kinder

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Zu den interessanten Begegnungen auf der Fahrt durch das Land gehörten die bunt bemalten Lastwagen.

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Im Tal von Bamiyan - an der Felswand der Buddhas - ist nach der Zerstörung der 53 m und 35 m hohen Statuen des Buddha im März 2001 wieder Ruhe eingekehrt. Leider jedoch sind die monumentalen Figuren im Ursprung der Nachwelt verloren, selbst wenn man daran denkt, sie wieder herzustellen. An ihnen zogen schon vor Jahrhunderten die Heere des Dschingis Khan und des Aurangzeb vorbei, und abertausende Mönche und Pilger hielten hier an den hohen Felswänden vor den buddhistischen Klöstern inne.

Nach unserem Aufenthalt im Tal von Bamiyan fuhren wir über die Höhen des Hindukusch zu den Seen von Band-i-Amir.

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