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Marokko

Marokko mit der Hauptstadt Rabat
Marokko mit der Hauptstadt Rabat

Im September des Jahres 1970 erkundeten wir in kleiner Gruppe Marokko und legten mit unserem "Hotelbus" über Spanien 8854 km zurück. Während dieser Erlebnisreise durch den Maghreb hörten wir in der zentralen Atlas-Region bei Meknès - Tafilalet von dem großen Fest in Imilchil, dem besonderen "Moussem" eines Berber-Stammes, dem traditionellen Heiratsmarkt der Ait Haddidou.

Spontan fuhren wir auf den abenteuerlichen Gebirgspisten einem erwartungsvollen Ziel entgegen. Daß wir mit unserem 12 m langen Bus das 2160 m hoch gelegene breite Tal zwischen dem Hohen- und dem Mittleren Atlas erreichten, glich einem Wunder. Aber wir waren ja zu dem Wallfahrtsort dieses Bergstammes unterwegs, wo ihr Schutzheiliger Sidi Ahmed Oulmghani unweit des Ortes mit der dominierenden Kasbah in einem Marabout verehrt wird. In jedem Herbst findet hier der mehrtägige Markt der Ait Haddidou statt, rund um das Grab des Schutzheiligen, der einst verfeindete Familien friedlich vereinte. Der Höhepunkt war für uns der wohl einmalig in der islamischen Welt bekannte Hochzeitsmarkt, bei dem sich die verwitweten und geschiedenen Frauen mit den bunt geschmückten spitzen Hauben selbst einen neuen Lebenspartner suchen, wenn auch nicht ganz ohne die Hilfe ihrer Familien. Diese decken sich vor allem nach der Erntezeit auf dem Markt mit den Vorräten für den strengen Winter ein. Es wird gehandelt und getauscht, und bei gutem Essen und Musik in den zahllosen Zelten tagelang gefeiert. Wir Touristen waren in komfortablen Zelten mit Betten und Teppichen sehr gut untergebracht. Es war eine unvergessene Begegnung mit dem Bergvolk neben den vielen anderen Sehenswürdigkeiten des Landes zwischen Atlantik und Mittelmeer.

Eine heiratswillige Berberin trifft per Esel in Imilchil ein.
oder sie reisen mit LKW und Kamelen von weither an.
Die Zeltstadt entsteht.
Die Ait Haddidou treffen sich alljährlich bei diesem Fest.
Viehmarkt mit Kamelen, Esel, Ziegen, Pferden
Ankunft zum großen "Moussem"
heiratswillige Frauen tragen bunte spitze Hauben
und Silberschmuck soll den "Bösen Blick" vom Gesicht abwenden
Märchenerzähler und Musikanten gehören zum Fest
Auf der Suche nach dem geeigneten Mann
Neue Paare lernen sich kennen
Stoff- und Kleidermarkt
Teppichmarkt
Restaurant
Dicke Bernsteinketten (Amber) schmücken die Frauen
Feuer unter dem Teekessel im Beduinenzelt.
Vor dem Marabout wird die Ehe bescheinigt.
Mädchen mit Amberkette vor dem Marabout.
Ait Haddidou-Frauen bewegen sich frei inmitten einer Männerwelt.
Suppenküche und Getränke in der Zeltstadt.
Nussverkäufer mit seinem Angebot.
Ein Apotheker preist seine Kräuter an.
In Öl gesiedete Krapfen werden in Marokko überall angeboten.
Schlöh-Berber im Atlasgebirge.


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Erinnerungen an die erste erlebnisreiche Marokko-Fahrt im Herbst 1970, sowie an die weiteren Reisen durch das gebirgige Land mit den vier Königsstädten diesseits des Mittleren- und Hohen Atlas und der "Strasse der Kasbahs" im großen Süden. Die allererste Bekanntschaft mit dem Königreich "Al-Maghreb" machten wir im Jahre 1966 auf der Reise entlang der Küste Nordafrikas bis nach Ägypten. Von Tanger bis Kairo fuhren wir über 5000 km und gerieten niemals in Schwierigkeiten. Damals schien in dieser Region die Welt noch in Ordnung zu sein!

Rast auf der beschwerlichen Fahrt im Mittleren Atlas nach Imilchil.
Vor einer großen Kasbah (Familienburg) im Süden des Hohen Atlas.

Nach der Anreise durch Spanien mit den Glanzpunkten an der Ostküste und in Andalusien erfolgte am 10. Reisetag das Übersetzen mit dem Fährschiff von Algeciras nach Ceuta am Nordwestzipfel des afrikanischen Kontinents. Dann kam die Grenze zum Königreich Marokko mit der Fahrt zur maurischen Stadt Tetuan - Stadtbummel durch die Medina mit Besuch einer Schule für die Folkskunst. In der berüchtigten Handelsstadt Tanger war die Kasbah mit Museum interessant, bevor es an der Atlantikküste südwärts über Larache zum Wald von Arbaoua ging. Im rechten Bild ein Blick vom Kap Trafalgar über die Meerenge nach Marokko.

Arabisch-Maurische Impressionen aus dem Jahr 1972 von unserem Reisegast Dr. Heiner Mock.

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Aus dem Tagebuch unseres Freundes Heiner Mock, der als Zeichner einige unserer Reisen begleitete: ". . . von Algeciras aus bringt und das Fährschiff in etwa 90 Minuten angesichts des Festungsfelsen Gibraltar zur afrikanischen "Säule des Herkules" - genannt Djebel Musa - zur alten Festung Ceuta, dem verbliebenen spanischen Gebiet. In nur wenigen Kilometern sind wir im Königreich Marokko, und von weitem erglänzt die "Weiße Stadt Tetuan", wo bereits das europäische Geschäftstreiben vom arabischen Volksleben zurückgedrängt wird. Die Eingeborenen leben im allgemeinen heute noch so wie Jahrhunderte vorher ihre Ahnen. Die Familien halten zusammen in gegenseitiger Hilfsbereitschaft, man beachtet streng die Vorschriften des Korans. Zufriedenheit, Bescheidenheit, Anspruchslosigkeit sind vorherrschend, Armut wird mit Fatalismus getragen. Wenn auch der Gewerbefleiß in den Souks hervortritt, so hat man doch nie das Gefühl, daß Geldgier und Überanstrengung die gewohnte Harmonie im Erwerbsleben stören. Nur Händler, Fremdenführer und Kinder gestikulieren, eifern und schreien, wenn sie mit den Reisenden in Berührung kommen. Einkäufe in den Souks, besonders in den größeren Bazaren und Höfen der Karawansereien verlaufen in ruhiger, fast vornehmer Geschäftigkeit. Eng sind die Gassen, oft wird man von Eseln und Maultieren - den Verkehrsmitteln seit uralten Zeiten - durch die schwere Last nach vorn geschoben. Bisweilen begegnet man glühenden Blicken dichtverhüllter Frauen. Den Djebel Musa umfahrend erreichen wir die nördlichste Hfenstadt Afrikas, das berüchtigte Tanger, von dessen Kasbah aus der Blick über die weit geschwungene Bucht hinüber zum spanischen Südufer schweift. Alte Festungswerke erinnern an die wechselvolle Geschichte der wichtigen Hafenstadt, die immer ein Spielball der Eroberer gewesen ist. Hier tobten sich wirtschaftliche und politische Machtkämpfe aus. Tanger hat nichts verloren von seiner schillernden Atmosphäre als Spionage- und Agentenzentrum, als Umschlagplatz des Mädchenhandels und Dorado für Spieler, Hasardeure, Rauschgifthändler und Bankrotteure" . . .

Eingang zur Medina von Tetuan.
Durch die engen Gassen . . .
. . . zum Wochenmarkt der Rifberber.
Teppiche mit Berbermotiven gibts in jedem Ort.
Tore, Mauern und Straßen erinnern . . .
. . . an die Spanier und Portugiesen.
Alte Geschütze in Tanger.
Keramik wird bemalt.
Die Couscous-Zubereitung ist Tradition.
Gekachelte Lauben und Höfe aus maurischer Zeit.
Geschälte Korkeichen.
Verkauf von Tonkrügen und Melonen.
Ärmliche Unterkünfte von den Erntehelfern.
Die Heimkehr vom Markt erfordert lange Fußmärsche.
Getreidefelder bis an die Küste des Atlantiks.
Pflügen des steinigen Ackers am Atlantik.
Küstenbewohner beim Sammeln von Tang und Meeresfrüchten.
Naturverbundene Erholungsorte mit Wäldern am Meer laden zum Verweilen ein..

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In der kleinen Stadt Moulay Idriss befindet sich die Grabmoschee des Staatsgründers "Idris I." - einem Nachkommen des Propheten Mohammed - weshalb den Marokkanern und vielen Anhängern des islamischen Glaubens dieser Wallfahrtsort seit der Gründung im Jahre 788 heilig ist. Der Ort ist das Zentrum einer der vielen Sufi-Bruderschaften, die den ersten Führer der Idrissiden Dynastie und ihrer Religionsgemeinschaft in dem Mausoleum verehren. Das Mausoleum von Moulay Idriss al-Akhbar ist weit über die Grenzen hinaus bekannt. In diesem Reich der Scherifen, dem westlichen Vorposten des Islam, ist der Glaube wie auch das Herrscherhaus unerschüttert. Der König ist zugleich der höchste Imam, das geistliche Oberhaupt der Marokkaner. Die verschiedenen Berberstämme wurden bald nach Einbruch der Araber unter die Fahne des Propheten gebracht, doch behielten die Berber in den Bergregionen bis zum heutigen Tag ihre Sonderrechte. Aufgrund der von Mekka aus betrachteten geographischen Lage ist Marokko mit dem zusätzlichen Namen "Al-Maghreb" das Land, wo im äußersten Westen die Sonne untergeht. Das ehemalige französische und spanische Protektorat ist seit 1956 unabhängig und seit 1972 eine konstitutionelle Monarchie. Das Staatsoberhaupt ist seit 1999 König Mohammed VI.

Islamischer Wallfahrtsort Moulay Idriss

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Moulay Idriss mit den Augen eines Graphikers.

Nördlich der Königsstadt Meknés besuchten wir in Sichtweite des Wallfahrtsortes Moulay Idriss die Ruinen der Römerstadt Voloubilis auf den Anhöhen über dem Tal des Ued Khumane. Diese Siedlung wurde von Karthago aus bereits im 200 Jh. v. Chr. im fernen Westen gegründet, und war dann nach dem Sieg über die Karthager eine römische Kolonie. Die heute freigelegten Gebäude entstanden im 1. bis 2. Jh. n.Chr. zur Zeit des Claudius und Caracalla und sind die bedeutendsten Ausgrabungen der frühen Geschichte von Marokko.

 

In den Ruinen der Römerstadt Voloubilis

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Weiter schrieb Heiner Mock: . . . "die Reise geht an der Atlantikküste entlang, dessen teilweise makelloser Strand zahlreiche Badeorte entstehen ließ. Unser nächstes Ziel ist die erste der vier Königsstädte, Rabat, wo heute der König von Marokko residiert. Hoch über der Brandung des rauschenden Meeres wurde auf einem Felsvorsprung die Kasbah errichtet. Nun wollte ein erfolgreicher Sultan in Rabat die größte Moschee Afrikas mit einundzwanzig Schiffen erbauen, doch wurde sie nie fertig. Vom Bauwerk blieb nur ein Wald von 360 Säulenstümpfen und das Minarett, als Hassen-Turm bekannt. Zwei prunkvolle Mausoleen, das eine für den siegreich zurückgekehrten Sultan Mohammed, das andere für den heute (1972) lebenden König Hassan schließen den monumentalen Platz ab. In der Nähe der Altstadt bilden der im maurischen Stil erbaute neue Sultanspalast und die Hofmoschee die Kulisse für den märchenhaften Aufzug des Sultans, wenn er freitags hoch zu Roß, umgeben von Würdenträgern und der schwarzen Leibwache, zum Gebet reitet. Solch ein Spektakel erinnert an die mächtigen Sultane von Cordoba im 8.-14. Jahrhundert, die wohl in ähnlicher Prachtentfaltung vom Alkazar über den Orangenhof in die säulenreiche Mesquita zur Gebetsnische - der mosaikgeschmückten Mihrab - gezogen sind" . . .

Rabat - Hassan-Turm mit der unvollendeten Moschee.
Bucht vor der Hafenstadt Tanger.

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Die Rundfahrt in der neuzeitlichen Königstadt Rabat führte uns zum Königspalast und entlang der Stadtmauern mit den Toren zum königlichen Mausoleum mit den historischen Säulen der einstigen Moschee und dem Hassan-Minarett. Einen ähnlichen Turm sahen wir natürlich in der Koutubia von Marrakesch und im Turm der früheren Moschee von Tlemcen im Nachbarland Algerien, sowie den maurischen Bauwerken im spanischen Andalusien.

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. . . "die Großstadt Casablanca erscheint uns kulturell nicht so sehr interessant, die ursprünglich eine unbedeutende Siedlung der Portugiesen war, erst seit 1907 von den Franzosen zu einer Handelsmetropole mit Weltgeltung entwickelt wurde. Wir durchfahren ein Häusermeer in allen möglichen Baustilen, von häßlichen Kubusformen bis zu den gigantischen Hochhäusern der Neuzeit. Die Wohngebiete breiten sich ständig weiter aus . . .".

Heute ist Casablanca das Wirtschaftszentrum des Landes, einer der größten Häfen- und Umschlageplatz Afrikas, und zählt etwa fünf Millionen Einwohner.

. . . " der Hafen besitzt 6 km Kais. Die ganze Stadt scheint amerikanisiert. Am Rande der Medina, zwischen dem Hafen und der mauerumgebenen Altstadt, befindet sich ein Café mit den Erinnerungen an den weltberühmten Film "Casablanca" von 1942 mit den Hauptdarstellern Humphrey Bogart und Ingrid Bergman. Als der Film in die Kinos kam, trafen sich Roosevelt und Churchill zu ihrem historischen Treffen in dieser Stadt. Die westlichen Alliierten waren im November 1942 in Nordafrika an Land gegangen. Für uns ist außer einer informativen Stadtrundfahrt die alte Portugiesenstadt El Jadida mit den düsteren Mauern der Medina sehenswerter, wir haben Zeit für das verwinkelte Hafen-viertel und die imposanten Zisternen der früheren Seemacht".

Ein Besuch der neuzeitlichen großen Moschee "Sultan Hassan II" an der westlichsten zum Teil aufgeschütteten Landspitze in Casablanca ist nun die Hauptattraktion. Mit 210 Metern Höhe ist das Minarett schon von weitem sichtbar. In dem riesigen Gebetssaal aus Marmor und Stuckarbeiten, mit einer mächtigen Empore für die Vorbeter und Gläubigen, finden an die 25.000 Menschen Platz. Für einen guten Eintrittspreis werden viele Gruppen aus dem Ausland durch das gewaltige Gebäude geführt, die in den Wintermonaten eine Fußbodenheizung und im Sommer das Öffnen des Moscheedaches in 65 Metern Höhe erleben können. Die Leuchter an den geschmückten Wänden und Decken sind aus kostbarem Muranoglas, in den tiefer liegenden Waschräumen fotographierten wir einen Teil der Marmorbecken für die Reinigung vor dem Gebet.





Der Gebetsraum mißt 200 mal 100 Meter . . .
. . . in dem 25.000 Gläbige einen Platz finden.

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Von der geschäftigen Hafenstadt Casablanca erlebten wir weiter südlich entlang der Atlantikküste Azemmour und die ehemalige Portugiesenfestung El Jadida, das fruchtbare Kulturland von Doukkala mit der Seestadt Safi, ferner Talmest und Essaouira mit dem anschließenden savannenartigen Hügelland und den Arganienbäumen, schließlich durch die westlichen Ausläufer des Atlasgebirges auch Agadir und die weiten Strände am Meer. Sehr malerisch sind die Gassen von Chefchaouen und Asila.

Erlebnis Atlantik-Küste mit den Arganien, deren olivenartige Früchte von den Ziegen vom Baum gefressen werden. Ungewohnt waren die eigenartigen Pflanzen der Sahararegion am Meer, sowie die weiten Strände mit den Felstoren bei Geghzira. 100 Km südöstlich von Agadir liegt in den westlichen Ausläufern des Antiatlas das Bergdorf "Tizourgane" - ein Ksar mit festungsartigen Wehrmauern. Doch sind die meisten Berber weggezogen und die früheren Dreschplätze ungenutzt.

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Einige Stadttore, Paläste und Koranschulen in Marrakesch, Meknes und Fes.

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Erinnerungen an die engen Gassen in den Souks der Königsstädte.

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Für die Fahrt über den Hohen Atlas in den Süden wählten wir entweder Marrakesch als den Ausgangsort, oder fuhren von Meknes über den Mittleren Atlas, dann durch die weite von Nomaden bewohnte Hochebene und über den Hohen Atlas in die südliche Wüstenregion. Schließlich waren stets die Orte Ksar es Souk mit Erfoud im Südosten, und Quarzazate im Westen der "Straße der Kasbahs" das Ziel. Beim Verlassen von Marrakesch mußte man die 12 Km lange Stadtmauer und die Palmen- und Olivenhaine umfahren. Über den 2260 m hohen "Tizi-n-Tischka-Pass", einem Paradies für Mineraliensammler, gelangten wir an den Bergdörfern der Schlöhberber vorbei in den "Großen Süden" - wie das Wüstengebiet südlich der Atlaskette von den Franzosen genannt wurde. Eine dritte Möglichkeit war die Route 203 von Marrakesch über den 2093 m hohen "Tizi-n-Test-Pass" nach Taroudannt. An dieser Strecke liegt in 1270 m Höhe die restaurierte "Tin Mal-Moschee" aus der Almohaden-Dynastie des 12. Jahrhunderts.

Südliche Stadtmauer von Marrakesch mit dem Atlas-Gebirge.

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Ausflug zum Wasserfall von Ouzoud.

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Südlich des Sahara-Atlas breitet sich die Wüste aus. Die Straße führt von Erfoud in den Süden zu den Sanddünen "Erg Chebbi" bei der Oase Merzouga.

Auf den Serpentinen der Dades-Schlucht.
Eingang in die Todra-Schlucht.

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